rTMS: Erfolgsquote und Erfahrungen aus Studien
Die Erfolgsquote von rTMS lässt sich am genauesten mit Studienzahlen beschreiben: Bei Depression sprechen in randomisierten, scheinkontrollierten Studien etwa 30 % der Behandelten an und rund 20 % erreichen eine Remission, etwa zwei- bis dreimal so viele wie unter Schein-Stimulation. In der klinischen Praxis, mit längeren Serien und Begleitbehandlung, liegen die Raten höher: 40 bis 60 % Response, 25 bis 35 % Remission. Beschleunigte, individuell navigierte Protokolle wie SAINT erreichten in kleinen Studien deutlich mehr. Dieser Beitrag ordnet die Zahlen für Depression, Zwangsstörung, chronische Schmerzen und Tinnitus ein, benennt, wem rTMS eher nicht hilft, und spricht auch über negative Erfahrungen, bewusst ohne Erfahrungsberichte einzelner Patientinnen und Patienten.
Zuletzt aktualisiert: 2026-09-13 · Medizinisch verantwortet von Dr. med. univ. Julian Douwes

Warum wir Studien zeigen und keine Erfahrungsberichte
Wer „rTMS Erfahrungen" sucht, landet oft in Foren: Ein Bericht schwärmt, der nächste warnt. Beides ist echt, und beides sagt wenig darüber, was Sie erwarten können. Einzelne Erfahrungsberichte sind nicht repräsentativ, und in Deutschland verbietet das Heilmittelwerbegesetz (§ 11 HWG) Anbietern ohnehin, mit Patientenerfahrungen zu werben. Wir halten uns daran, aus Überzeugung: Die beste Antwort auf die Frage nach der Erfolgsquote sind Metaanalysen, große randomisierte Studien und Versorgungsdaten aus der Praxis. Genau die finden Sie hier, jeweils mit Quelle. Was rTMS technisch ist und wie eine Sitzung abläuft, lesen Sie unter rTMS und Wie funktioniert rTMS?
Erfolgsquote bei Depression: Response und Remission in Zahlen
Zwei Begriffe sind wichtig: Response heißt, die Symptome haben sich um mindestens die Hälfte gebessert; Remission heißt, die Depression ist nach Skalenwert weitgehend abgeklungen. Die Zahlen unterscheiden sich je nach Studientyp:
- Scheinkontrollierte Studien: Eine Metaanalyse von 29 randomisierten, doppelblinden Studien mit 1.371 Patientinnen und Patienten fand nach hochfrequenter rTMS des linken präfrontalen Kortex eine Response von 29 % gegenüber 10 % unter Schein-Stimulation und eine Remission von 19 % gegenüber 5 % (Berlim et al. 2014, PMID 23507264). Die Zulassungsstudie in den USA zeigte ein ähnliches Bild mit rund doppelt so hohen Response-Raten wie unter Sham (O'Reardon et al. 2007, PMID 17573044); in der NIMH-finanzierten OPT-TMS-Studie erreichten 14 % unter aktiver Stimulation eine Remission gegenüber 5 % unter Sham (George et al. 2010, PMID 20439832). Diese Studien behandelten meist nur 3 bis 4 Wochen und schlossen Menschen mit vielen erfolglosen Medikamentenversuchen ein.
- Versorgungsdaten: In einer multizentrischen Beobachtungsstudie mit 307 Patientinnen und Patienten unter Praxisbedingungen lag die ärztlich beurteilte Response bei 58 % und die Remission bei 37 % (Carpenter et al. 2012, PMID 22689344).
- Therapieresistente Depression: Eine Metaanalyse speziell zu Menschen, bei denen mindestens zwei Antidepressiva versagt hatten, fand eine etwa dreifach höhere Chance auf Response und eine etwa fünffach höhere Chance auf Remission gegenüber Sham (Gaynes et al. 2014, PMID 24922485). Mehr dazu unter therapieresistente Depression.
Eine Netzwerk-Metaanalyse im BMJ mit 113 Studien bestätigte, dass hochfrequente rTMS, Theta-Burst und tiefe TMS der Schein-Stimulation überlegen sind (Mutz et al. 2019, PMID 30917990). Zusammengefasst: Etwa jede dritte bis jede zweite behandelte Person spricht an, etwa jede vierte bis fünfte erreicht Remission, und das bei Menschen, bei denen Medikamente zuvor nicht ausreichend gewirkt hatten. Wie sich das im Alltag anfühlt, beschreibt unser Beitrag rTMS bei Depression.
iTBS, 10 Hz und SAINT: Was die neueren Protokolle erreichen
Das klassische Protokoll stimuliert mit 10 Hz über 20 bis 40 Minuten. Die intermittierende Theta-Burst-Stimulation (iTBS) komprimiert das auf gut drei Minuten. In der THREE-D-Studie mit 414 Patientinnen und Patienten war iTBS dem 10-Hz-Protokoll nicht unterlegen: Response 49 % gegenüber 47 %, Remission 32 % gegenüber 27 % nach 4 bis 6 Wochen (Blumberger et al. 2018, PMID 29726344). Eine aktuelle Netzwerk-Metaanalyse bestätigt die Gleichwertigkeit der Theta-Burst-Protokolle (Kishi et al. 2024, PMID 38844532).
SAINT / SNT ging einen Schritt weiter: zehn iTBS-Sitzungen pro Tag an fünf Tagen, mit MRT-basierter, individueller Zielbestimmung und hoher Impulszahl. In der offenen Pilotstudie erreichten 19 von 21 Teilnehmenden mit therapieresistenter Depression eine Remission (Cole et al. 2020, PMID 32252538). In der anschließenden doppelblinden, scheinkontrollierten Studie lag die Remissionsrate bei 79 % unter aktiver Stimulation gegenüber 13 % unter Sham, allerdings bei nur 29 Teilnehmenden (Cole et al. 2022, PMID 34711062). Diese Zahlen sind beeindruckend und haben zur FDA-Freigabe des SAINT-Verfahrens in den USA geführt; sie stammen aber aus kleinen Studien einer einzelnen Arbeitsgruppe und müssen sich in größeren, unabhängigen Studien erst bestätigen. Eine Metaanalyse beschleunigter Protokolle insgesamt zeigt gute Wirksamkeit, aber deutlich heterogenere Ergebnisse (Sonmez et al. 2019, PMID 31207865). Wir bieten ein SAINT-inspiriertes, iTBS-basiertes beschleunigtes Protokoll an; Details unter Beschleunigte TMS.
Zwangsstörung, chronische Schmerzen, Tinnitus: die Erfolgsquote jenseits der Depression
Zwangsstörung (OCD): In der zulassungsrelevanten Multicenter-Studie zur tiefen TMS sprachen 38 % gegenüber 11 % unter Sham an (Carmi et al. 2019, PMID 31109199). Metaanalysen scheinkontrollierter rTMS-Studien bestätigen einen moderaten Effekt, mit Unterschieden je nach Zielareal (Perera et al. 2021, PMID 33775927; Steuber et al. 2023, PMID 37343662). Die Evidenz ist solide, aber schmaler als bei Depression; in Europa ist rTMS bei OCD überwiegend ein Off-Label-Einsatz.
Chronische Schmerzen: Die europäischen Leitlinien geben für hochfrequente rTMS des motorischen Kortex bei neuropathischem Schmerz die höchste Empfehlungsstufe (Level A), für Fibromyalgie eine mittlere (Lefaucheur et al. 2020, PMID 31901449). Der Cochrane-Review ist nüchterner: Er beschreibt kurzfristige, kleine Effekte auf die Schmerzintensität und eine insgesamt niedrige Evidenzqualität (O'Connell et al. 2018, PMID 29652088). Realistisch ist eine moderate Schmerzlinderung bei einem Teil der Behandelten, nicht Schmerzfreiheit.
Tinnitus: Hier ist die Datenlage gemischt. Eine Metaanalyse fand kurzfristige Verbesserungen der Tinnitus-Belastung nach niederfrequenter rTMS (Liang et al. 2020, PMID 33228598); eine randomisierte Studie mit 70 Teilnehmenden sah 56 % Responder gegenüber 22 % unter Placebo (Folmer et al. 2015, PMID 26181507), andere Studien fanden keinen Unterschied. Die Leitlinie spricht deshalb nur eine schwache Empfehlung aus. Mehr dazu unter rTMS bei Tinnitus. Eine diagnoseübergreifende Metaanalyse in Lancet Psychiatry zeigt, dass rTMS des linken präfrontalen Kortex Symptome wie Stimmung, Antrieb und Kognition über Störungsbilder hinweg beeinflusst (Kan et al. 2023, PMID 36898403), ein Hinweis darauf, dass es weniger auf die Diagnose als auf das betroffene Netzwerk ankommt.
Wem hilft rTMS nicht? Was die Studien über Non-Responder sagen
Die Kehrseite der Zahlen: Etwa die Hälfte der Behandelten spricht nicht oder nur teilweise an. Einige Muster tauchen in den Studien wiederholt auf, ohne dass sie eine sichere Vorhersage erlauben:
- Hoher Grad an Therapieresistenz: Je mehr Medikamentenversuche in der aktuellen Episode gescheitert sind, desto niedriger die Response-Rate, rTMS wirkt am besten, wenn sie nicht als allerletzte Option kommt.
- Sehr lange aktuelle Episode: Menschen mit jahrelanger ununterbrochener Depression sprechen tendenziell schlechter an als Menschen mit kürzeren Episoden.
- Psychotische Symptome, schwere Persönlichkeitsstörungen, aktive Substanzabhängigkeit: In den meisten Studien ausgeschlossen; die Evidenz ist hier dünn.
- Hochdosierte Benzodiazepine während der Behandlung werden in mehreren Analysen mit schlechterem Ansprechen in Verbindung gebracht.
- Spätes Ansprechen: Ein Teil der Responder bessert sich erst in Woche 4 bis 6. Wer nach zwei Wochen abbricht, verpasst diese Gruppe (Fitzgerald et al. 2016, PMID 27059158).
Und dann gibt es Menschen, bei denen rTMS trotz guter Voraussetzungen nicht wirkt, ohne erkennbaren Grund. Das ist bei jeder Depressionsbehandlung so, auch bei Medikamenten und Psychotherapie. Für uns folgt daraus dreierlei. Am Anfang steht ein strukturiertes Assessment, bei Bedarf mit qEEG-Brainmapping, damit Zielareal und Protokoll nicht geraten werden. Wir schauen neben der Spule auf das, was die Erregbarkeit des Kortex von außen drückt: Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion, chronisch gestörter Schlaf oder eine fortlaufende Entzündung können das Ansprechen dämpfen, deshalb gehören Labor und Schlaf in denselben Plan wie die Stimulation. Und wir messen im Verlauf, um früh zu erkennen, ob ein Wechsel des Protokolls oder ein anderes Verfahren im Programm sinnvoller ist.
Negative Erfahrungen: Nebenwirkungen und Enttäuschungen klar benannt
„rTMS negative Erfahrungen" ist eine häufige Suche, und sie verdient eine klare Antwort. Es gibt zwei Arten negativer Erfahrungen:
1. Nebenwirkungen. Die aktualisierten internationalen Sicherheitsleitlinien stufen rTMS als gut verträglich ein (Rossi et al. 2021, PMID 33243615). Häufig sind vorübergehende Kopfschmerzen und Kopfhautbeschwerden (bei etwa einem Drittel, meist in den ersten Sitzungen), Zucken der Gesichtsmuskulatur und Müdigkeit. Selten sind vorübergehende Schlafstörungen, innere Unruhe oder Stimmungsschwankungen. Das ernsteste Risiko ist ein Krampfanfall, der bei fachgerechter Anwendung deutlich seltener als bei einem von tausend Behandelten auftritt. Bei bipolaren Verläufen ist ein Umschlag in eine manische Phase möglich, aber selten. Ohne Gehörschutz kann das laute Klicken das Gehör belasten, deshalb tragen Sie bei uns immer einen. Ausführlich unter Ist rTMS schmerzhaft?
2. Enttäuschung. Die häufigste negative Erfahrung ist keine Nebenwirkung, sondern Ausbleiben der Wirkung nach vier Wochen täglicher Termine und einem vierstelligen Betrag. Berichte im Netz, rTMS habe „alles schlimmer gemacht", lassen sich in kontrollierten Studien nicht als typisches Muster nachweisen, dort verschlechtern sich unter aktiver Stimulation nicht mehr Menschen als unter Sham. Einzelfälle sind dennoch real und ernst zu nehmen, und der zeitliche Aufwand einer Serie ist es ebenfalls. Wir sprechen beides vor Beginn offen an: die realistische Wahrscheinlichkeit einer Besserung, die Kosten und den Plan B, falls Sie nicht ansprechen.
Wie lange hält die Wirkung? Dauer und Erhaltung
Eine Response ist nur dann viel wert, wenn sie anhält. Eine Metaanalyse zur Dauerhaftigkeit fand, dass von den Respondern nach 3 Monaten noch 67 %, nach 6 Monaten 53 % und nach 12 Monaten 46 % in Response blieben (Senova et al. 2019, PMID 30344109). In der einjährigen Nachbeobachtung der amerikanischen Versorgungsstudie hielten 63 % der Responder ihre Besserung über 12 Monate, wobei gut ein Drittel zwischendurch Auffrischungssitzungen erhielt (Dunner et al. 2014, PMID 25271871). Auch ohne jede Erhaltungsbehandlung bleibt der Effekt in vielen Studien über mehrere Monate nachweisbar (Kedzior et al. 2015, PMID 25683231).
Für die Praxis heißt das: Etwa die Hälfte bis zwei Drittel derjenigen, die ansprechen, profitieren ein Jahr lang; für die anderen ist eine erneute Serie oder eine Erhaltungsbehandlung mit einzelnen Sitzungen im Abstand von Wochen möglich und in Studien wirksam. Wir planen das von Anfang an mit ein, und kombinieren rTMS je nach gemessenem Profil mit Bausteinen, die das Ergebnis stabilisieren sollen: Neurofeedback, Schlaf- und Aktivitätsregulation, Psychotherapie in Abstimmung mit Ihrer bisherigen Behandlung. Unser Anspruch bleibt dabei, das funktionelle Gleichgewicht wiederherzustellen, so weit es geht ohne Chemie, bestehende Medikation verändern wir nie ohne die behandelnden Ärztinnen und Ärzte. Ob rTMS für Sie infrage kommt, klären wir im kostenlosen Erstgespräch.
Häufige Fragen
Wie hoch ist die Erfolgsquote von rTMS?
Wem hilft rTMS nicht?
Gibt es negative Erfahrungen mit rTMS?
Wie lange hält die Wirkung von rTMS an?
Ist iTBS genauso wirksam wie das klassische 10-Hz-Protokoll?
Warum veröffentlichen Sie keine Erfahrungsberichte?
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