rTMS bei Depression
rTMS (repetitive transkranielle Magnetstimulation) ist ein nicht-invasives Verfahren, das mit Magnetimpulsen ein gezieltes Hirnareal von außen anregt, ohne Operation und ohne Narkose. Bei Depression steht rTMS in der deutschen S3-Leitlinie und ist seit 2008 in den USA zugelassen; die Datenlage ist solide, besonders wenn Medikamente nicht ausreichend geholfen haben. Der Unterschied zum nächsten Wirkstoff: rTMS behandelt das Netzwerk, das bei Depression messbar unteraktiv ist, direkt. Dieser Beitrag erklärt Wirkung, Ablauf und Evidenz.
Zuletzt aktualisiert: 2026-07-25 · Medizinisch verantwortet von Dr. med. univ. Julian Douwes

Wie rTMS bei Depression wirkt
Bei einer Depression geraten mehrere Hirnnetzwerke aus dem Gleichgewicht. Besonders häufig arbeitet der linke dorsolaterale präfrontale Kortex, ein Knotenpunkt für Antrieb, Planung und Stimmungsregulation, gedämpft. rTMS setzt genau dort an: Kurze Magnetimpulse induzieren im darunterliegenden Gewebe kleine elektrische Ströme und regen Nervenzellen zum Feuern an. Über mehrere Sitzungen kann sich die Aktivität und Vernetzung dieser Region neu justieren (Neuroplastizität).
Wichtig: rTMS ist keine Elektrokrampftherapie und keine Medikation. Sie sind während der gesamten Sitzung wach und ansprechbar. Wie das Verfahren technisch funktioniert, lesen Sie ausführlich unter Wie funktioniert rTMS?
Erst messen, dann behandeln
Wir stimulieren nicht nach Schema F. Bevor eine rTMS-Behandlung beginnt, steht in unserem Programm ein strukturiertes Assessment: Anamnese, vorhandene Befunde, Fragebögen, klinische Untersuchung, bei Bedarf Labor und Bildgebung. Ob ein qEEG-Brainmapping dazukommt, um Zielareal und Protokoll zu präzisieren, entscheiden wir danach. So sehen wir, welches Netzwerk bei Ihnen aus dem Takt geraten ist, und welches Areal und Protokoll infrage kommt.
Einen ersten, unverbindlichen Eindruck gibt Ihnen die Gehirn-Netzwerk-Analyse. Sie ist ein Orientierungsinstrument, keine Diagnose.
Ablauf einer Behandlung
Sie sitzen bequem in einem Behandlungsstuhl; die Achterspule liegt außen am Kopf an. Eine klassische Sitzung dauert je nach Protokoll etwa 20–40 Minuten, moderne Theta-Burst-Protokolle nur wenige Minuten. Ein typischer Behandlungszyklus umfasst mehrere Wochen mit Sitzungen an aufeinanderfolgenden Werktagen. Sie hören ein taktendes Klopfen und spüren ein Klopfen oder Kribbeln auf der Kopfhaut.
- Kein Klinikaufenthalt, keine Narkose; Sie können direkt danach in den Alltag zurück.
- Regelmäßige Verlaufsmessungen zeigen, ob und wie Sie ansprechen.
- Wenn ein besonders dichtes Format sinnvoll ist, kann beschleunigte TMS (Accelerated/iTBS) mit mehreren Sitzungen pro Tag eine Option sein.
Wie stark ist die Evidenz?
rTMS bei Depression gehört zu den am besten untersuchten neuromodulativen Verfahren und ist in vielen Ländern zugelassen. Randomisierte Studien und Metaanalysen belegen einen antidepressiven Effekt, besonders bei unzureichendem Ansprechen auf Medikamente. Wir bewerten diese Evidenz intern als solide bis stark. Eine kuratierte, verlinkte Übersicht realer Studien finden Sie in unserem Bereich Wissenschaft & Studien.
Nicht jeder Mensch spricht gleich an; Studien beschreiben Durchschnitte, Ihr Verlauf ist individuell. Deshalb messen wir vorher, behandeln evidenzbasiert und kontrollieren den Verlauf eng.
rTMS als Teil eines Programms
rTMS ist bei uns ein Baustein in einem abgestimmten Programm, kein isoliertes Gerät. Je nach Befundbild kombinieren wir sie mit Neurofeedback, begleitenden Assessments und, in Abstimmung mit Ihrer bestehenden Behandlung, weiteren Bausteinen der Klinik: Schlaf, Labor, psychologische Begleitung, wo das Assessment es nahelegt. Ihre Psychotherapie oder Medikation läuft weiter; wir stimmen uns mit Ihren Behandlern ab. Mehr über die Depression und unseren Zugang lesen Sie auf der Erkrankungsseite.
Häufige Fragen
Ist rTMS bei Depression schmerzhaft?
Wie viele Sitzungen brauche ich?
Ersetzt rTMS meine Antidepressiva?
Wann ist beschleunigte TMS sinnvoller als klassische rTMS?
Wie fange ich an?
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Was für Sie infrage kommt, zeigt das strukturierte Assessment. Das kostenlose Erstgespräch dauert 15 bis 20 Minuten und klärt, ob sich dieser Weg für Sie lohnt.