Die sechs Hirnnetzwerke, einfach erklärt
Ihr Gehirn arbeitet nicht in isolierten Zentren, sondern in Netzwerken: großen Teams von Regionen, die zusammenarbeiten. Sechs davon entscheiden über Denken, Fühlen und Handeln. Beschwerden entstehen selten aus einem „kaputten Areal“, meist aus einem Ungleichgewicht zwischen mehreren Netzwerken. Deshalb sagt ein Diagnose-Etikett allein wenig darüber, was in Ihrem Gehirn gerade schief läuft. Dieser Überblick erklärt die sechs Netzwerke in Kurzform; die ausführliche Darstellung finden Sie auf unserer Seite Hirnnetzwerke.
Zuletzt aktualisiert: 2026-07-25 · Medizinisch verantwortet von Dr. med. univ. Julian Douwes
1. Ruhezustands-Netzwerk (Default Mode Network, DMN)
Das DMN ist das „Innenschau"-Netzwerk: aktiv, wenn Sie über sich selbst nachdenken, sich erinnern oder tagträumen. Wichtige Knotenpunkte liegen im medialen präfrontalen Kortex, im posterioren cingulären Kortex und im Precuneus.
Wie sich eine Dysregulation anfühlen kann: Grübeln und Gedankenkreisen, Gedächtnislücken, geringe Selbstwahrnehmung, das Gefühl, „neben sich zu stehen", oder Schwierigkeiten, nach außen zu fokussieren.
2. Salienz-Netzwerk (Salience Network)
Das Salienz-Netzwerk ist der „Türsteher": Es entscheidet, was gerade wichtig ist, und schaltet zwischen Innen- und Außenfokus um. Wichtige Knotenpunkte sind die anteriore Insula und der anteriore cinguläre Kortex.
Wie sich eine Dysregulation anfühlen kann: innere Unruhe oder Hyperarousal, Angst, Reizüberflutung, Schwierigkeiten umzuschalten, körperbezogene (funktionelle) Symptome oder Apathie.
3. Zentrales Exekutiv-Netzwerk (Central Executive Network)
Dieses Netzwerk ist der „Manager" für Planen, Arbeitsgedächtnis und Selbststeuerung. Wichtige Knotenpunkte liegen im dorsolateralen präfrontalen Kortex und im posterioren parietalen Kortex.
Wie sich eine Dysregulation anfühlen kann: schlechtes Planen, Lücken im Arbeitsgedächtnis, Entscheidungsschwäche, leichte Ablenkbarkeit und das Gefühl, den „Kopf voll" zu haben.
4. Sensomotorisches Netzwerk (Sensorimotor Network)
Dieses Netzwerk steuert Bewegung, Koordination und Körperwahrnehmung. Wichtige Knotenpunkte sind der prä- und postzentrale Gyrus (M1/S1) sowie das Kleinhirn.
Wie sich eine Dysregulation anfühlen kann: Ungeschicklichkeit, Gleichgewichtsprobleme, Verspannungen oder eine Über- bzw. Unterempfindlichkeit gegenüber Reizen.
5. Limbisches / Emotionales Netzwerk
Dieses Netzwerk verarbeitet Emotion, Stress und Motivation. Wichtige Knotenpunkte sind der orbitofrontale Kortex, die Amygdala, der Hippocampus und der cinguläre Gyrus.
Wie sich eine Dysregulation anfühlen kann: Stimmungsschwankungen, emotionale Labilität, geringe Stresstoleranz, Antriebslosigkeit oder rasche Überforderung.
6. Aufmerksamkeits-Netzwerk (Attention Network)
Dieses Netzwerk ermöglicht anhaltenden und selektiven Fokus. Wichtige Knotenpunkte sind der Intraparietalsulcus und die frontalen Augenfelder.
Wie sich eine Dysregulation anfühlen kann: schnelle Ablenkbarkeit, Schwierigkeiten, die Konzentration zu halten, oder das Gefühl, Dinge „zu übersehen".
Netzwerke arbeiten zusammen — deshalb messen wir
Diese sechs Netzwerke arbeiten immer zusammen. Symptome entstehen meist aus einem Ungleichgewicht mehrerer Netzwerke, nicht aus einem einzelnen Bereich. Genau deshalb steht bei jedem Patienten ein strukturiertes Assessment am Anfang: Anamnese, vorhandene Befunde, Fragebögen, klinische Untersuchung, bei Bedarf Bildgebung und eine neurologische Untersuchung, die strukturelle oder fokale Ursachen ausschließen. Ob ein qEEG-Brainmapping dazukommt, entscheidet die Fragestellung. Mehr dazu unter Diagnostik.
Aus diesem Gesamtbild entsteht ein Programm mit Bausteinen wie rTMS, Neurofeedback oder taVNS, die zu Ihrem Befundbild passen. Wie wir mit Evidenz umgehen, lesen Sie unter Wissenschaft & Studien.
Welche Netzwerke sind bei Ihnen besonders beansprucht?
Einen ersten, unverbindlichen Eindruck gibt die Gehirn-Netzwerk-Analyse, ein kurzer Selbsttest, der zeigt, welche Netzwerke sich bei Ihnen am stärksten „beansprucht“ anfühlen. Das ist eine Orientierung, keine Diagnose. Was Ihr Ergebnis konkret bedeutet, klärt das Erstgespräch, und wenn es sich lohnt, das Assessment mit echten Befunden.
Häufige Fragen
Was ist ein Hirnnetzwerk?
Bedeutet eine „Dysregulation", dass ich krank bin?
Warum reicht es nicht, ein einzelnes Areal zu behandeln?
Wie finde ich heraus, welche Netzwerke bei mir betroffen sind?
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