taVNS bei Migräne
Die transkutane aurikuläre Vagusnerv-Stimulation (taVNS) ist ein sanftes, nicht-invasives Verfahren, das über den Vagusast am Ohr das autonome Nervensystem beeinflusst. Bei Migräne ist das Nervensystem zu empfindlich eingestellt: Reize kommen ungefiltert an. taVNS setzt an der Bremse dieses Systems an und kann als ergänzender, medikamentensparender Baustein interessant sein, gerade wenn Sie die Zahl der Akuttabletten senken möchten. Sie ersetzt keine neurologische Behandlung und beginnt bei uns mit einem Assessment.
Zuletzt aktualisiert: 2026-07-25 · Medizinisch verantwortet von Dr. med. univ. Julian Douwes
Was bei Migräne im Gehirn passiert
Migräne ist keine „normale" Kopfschmerzerkrankung, sondern Ausdruck eines übererregbaren, empfindlichen Nervensystems. Reize werden schlechter gefiltert, Schmerz- und Verarbeitungsbahnen reagieren überschießend, das autonome Nervensystem gerät aus der Balance. Beteiligt sind unter anderem Hirnstamm-Strukturen und Netzwerke, die Reizverarbeitung und Stress regulieren.
Genau an dieser Übererregbarkeit setzt taVNS an. Wie Reizverarbeitung und Belastung zusammenhängen, beschreibt der Überblick zu den sechs Hirnnetzwerken.
Wie taVNS funktioniert
Der Vagusnerv ist der wichtigste „Ruhe-Nerv" des Körpers. Ein Ast von ihm verläuft direkt unter der Haut der Ohrmuschel. Bei taVNS setzt eine kleine Elektrode am Ohr sanfte elektrische Impulse, die diesen Ast stimulieren, spürbar als leichtes Kribbeln, nicht schmerzhaft. Ziel ist, das autonome Nervensystem in Richtung Ruhe (Parasympathikus) zu verschieben und die Übererregbarkeit zu senken.
Mehr zum Verfahren finden Sie auf der Seite taVNS. Bei uns ist die Basis immer eine vorherige Diagnostik.
taVNS und tDCS: warum wir oft kombinieren
Bei Migräne kann auch die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) eine Rolle spielen: Sie moduliert mit sehr schwachem Strom die Erregbarkeit bestimmter Kortexareale, etwa der Schmerz- oder Sehverarbeitung. taVNS und tDCS wirken an unterschiedlichen Stellen, das autonome System und der Kortex, und können sich in einem abgestimmten Programm ergänzen. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von Ihrem gemessenen Profil ab.
Was ist realistisch? Evidenz und Grenzen
Für die Vagusnerv-Stimulation bei Migräne und Kopfschmerz gibt es eine wachsende, insgesamt vorsichtig positive Studienlage; in der akuten Attacke und in der Vorbeugung zeigen sich bei einem Teil der Menschen Effekte. Die Evidenz ist jedoch noch nicht so robust wie bei etablierten Migräne-Medikamenten. Wie stark Sie ansprechen, ist individuell, deshalb messen wir vorher und nach.
taVNS ist bei uns ein ergänzender, gut verträglicher Baustein, oft attraktiv für Menschen, die Medikamente reduzieren möchten oder schlecht vertragen. Die Studienlage im Detail steht unter Wissenschaft & Studien.
Ablauf, Sicherheit und Verträglichkeit
Nach dem Assessment wird die Elektrode am Ohr angelegt; eine Sitzung ist entspannt und schmerzfrei. taVNS gilt als sehr sicher; gelegentlich treten leichte lokale Hautreizungen oder ein Kribbeln auf. Es ist keine Narkose nötig, Sie sind sofort wieder alltagstauglich. Bei bestimmten Herzrhythmus-Erkrankungen oder Implantaten prüfen wir die Eignung vorab. Ob taVNS zu Ihrem Befund passt, klären wir im kostenlosen Erstgespräch.
Mehr zum Krankheitsbild und unserem Vorgehen finden Sie auf der Seite Migräne. Einen ersten Eindruck gibt die Gehirn-Netzwerk-Analyse: Orientierung, keine Diagnose.
Häufige Fragen
Ist taVNS dasselbe wie eine implantierte Vagusnerv-Stimulation?
Tut taVNS weh?
Kann taVNS meine Migräne-Medikamente ersetzen?
Wird taVNS mit anderen Verfahren kombiniert?
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Was für Sie infrage kommt, zeigt das strukturierte Assessment. Das kostenlose Erstgespräch dauert 15 bis 20 Minuten und klärt, ob sich dieser Weg für Sie lohnt.