Neurofeedback bei ADHS (Erwachsene)
Neurofeedback ist ein Training, bei dem Sie lernen, Ihre eigene Hirnaktivität zu regulieren: in Echtzeit, über eine Rückmeldung am Bildschirm. Bei ADHS im Erwachsenenalter zielt es auf das Muster selbst, mit dem Ihr Gehirn Aufmerksamkeit hält und Impulse bremst. Wer die Diagnose erst als Erwachsener bekommt, hat meist Jahre hinter sich, in denen „mehr anstrengen“ die einzige Empfehlung war. Dieser Beitrag erklärt Wirkprinzip, Ablauf und die Einordnung der Evidenz.
Zuletzt aktualisiert: 2026-07-25 · Medizinisch verantwortet von Dr. med. univ. Julian Douwes

Was Neurofeedback ist
Neurofeedback ist eine Form des Selbstregulations-Trainings. Sensoren an der Kopfhaut messen Ihre Hirnwellen, ein Computer wandelt sie in ein einfaches Signal um, etwa einen Film, der klarer läuft, oder ein Spiel, das sich bewegt, wenn Ihr Gehirn in einen günstigeren Zustand kommt. So machen wir sichtbar, was sonst unbewusst abläuft, und Sie lernen Schritt für Schritt, diesen Zustand selbst herzustellen. Mehr Grundlagen unter Was ist Neurofeedback?
Was bei ADHS im Gehirn passiert
Bei ADHS arbeiten vor allem das zentrale Exekutiv-Netzwerk (Planen, Arbeitsgedächtnis, Selbststeuerung) und das Aufmerksamkeits-Netzwerk nicht zuverlässig zusammen. Der „Kopf ist voll", der Fokus rutscht weg, Aufgaben bleiben liegen. Neurofeedback setzt genau an dieser Selbstregulation an: Es trainiert, die für Konzentration günstigen Zustände häufiger und stabiler zu erreichen. Wie die einzelnen Hirnnetzwerke zusammenspielen, erklären wir separat.
Ablauf, oft auf Basis des qEEG
Wir trainieren nicht blind. Am Anfang steht ein strukturiertes Assessment: Anamnese, vorhandene Befunde, Fragebögen. Für die Protokollwahl beim Neurofeedback gehört in der Regel ein qEEG-Brainmapping dazu, das Ihr Aktivitätsmuster im Vergleich zu einer Normdatenbank zeigt. Daraus leiten wir ab, welches Trainingsziel für Sie sinnvoll ist. Eine Sitzung dauert typischerweise etwa 30–45 Minuten: Sie sitzen entspannt, bekommen die Sensoren angelegt und arbeiten mit der Rückmeldung. Neurofeedback ist ein Lernprozess; Effekte bauen sich über eine Reihe von Sitzungen auf, nicht über Nacht.
Einordnung der Evidenz
Neurofeedback bei ADHS wird seit Jahren erforscht. Die Studienlage ist gemischt: Einige Arbeiten zeigen Verbesserungen bei Aufmerksamkeit und Selbstregulation, andere finden kleinere Effekte, wenn streng gegen Scheinbedingungen kontrolliert wird. Wir bewerten die Evidenz insgesamt als moderat und setzen Neurofeedback bewusst als einen Baustein innerhalb eines Programms ein. Reale, verlinkte Studien finden Sie unter Wissenschaft & Studien. Wie gut Sie ansprechen, ist individuell.
Neurofeedback im Gesamtprogramm
Neurofeedback wirkt am besten, wenn es zum gemessenen Profil passt und mit den übrigen Bausteinen abgestimmt ist. In unserem Programm kombinieren wir es je nach Bedarf mit anderen Verfahren der nicht-invasiven Neuromodulation und begleitenden Assessments. Eine bestehende Behandlung wie Medikation oder Coaching läuft weiter; Neurofeedback kommt dazu. Wenn Sie wissen möchten, welche Netzwerke bei Ihnen beansprucht sind, starten Sie mit der Gehirn-Netzwerk-Analyse (Orientierung, keine Diagnose).
Häufige Fragen
Funktioniert Neurofeedback auch bei Erwachsenen mit ADHS?
Wie viele Sitzungen sind nötig?
Ersetzt Neurofeedback meine ADHS-Medikamente?
Ist Neurofeedback unangenehm?
Wie beginne ich?
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