Was ist Neurofeedback?
Ihr Gehirn lernt, sich selbst zu regulieren
Neurofeedback ist ein Trainingsverfahren, bei dem Ihre Hirnaktivität in Echtzeit gemessen und Ihnen als Bild, Ton oder Spiel zurückgespiegelt wird. Erzeugt das Gehirn ein günstigeres Muster, gibt es eine positive Rückmeldung, über Wiederholung lernt es, sich selbst besser zu regulieren. Es fließt dabei kein Strom ins Gehirn: Neurofeedback trainiert, es stimuliert nicht von außen. Das macht es zum geduldigsten unserer Verfahren, und zu dem, bei dem das Ergebnis am meisten Ihnen selbst gehört.
Zuletzt aktualisiert: 2026-07-25 · Medizinisch verantwortet von Dr. med. univ. Julian Douwes

Die Grundidee: Feedback macht Unsichtbares sichtbar
Normalerweise bekommen Sie von Ihrer eigenen Hirnaktivität nichts mit. Neurofeedback ändert das: Sensoren messen die elektrischen Wellen des Gehirns (EEG) und ein Computer übersetzt sie in etwas Wahrnehmbares: Ein Video läuft flüssiger, ein Ton wird klarer, eine Figur bewegt sich.
Dahinter steht ein bekanntes Lernprinzip (operante Konditionierung): Was belohnt wird, wird häufiger. Erzeugt Ihr Gehirn das angestrebte Muster, erhalten Sie sofort eine positive Rückmeldung. Schritt für Schritt lernt das Gehirn, dieses Muster leichter herzustellen, ähnlich wie man mit einem Spiegel eine Bewegung feiner steuern lernt.
Wie läuft eine Sitzung ab?
Sie sitzen entspannt vor einem Bildschirm. Über eine EEG-Haube, bei uns ein 32-Kanal-Wireless-EEG (Neuroelectrics Enobio), werden Sensoren an der Kopfhaut platziert. Sie tun nichts „Aktives“: Sie schauen, hören und lassen geschehen. Wird das Zielmuster erreicht, läuft die Belohnung (Bild/Ton) weiter; entfernt sich das Muster, wird sie gedämpft.
Eine Sitzung dauert meist 20–40 Minuten. Wie bei einem Training zeigt sich der Effekt über mehrere Sitzungen, nicht nach einer einzigen. Es ist vollkommen nicht-invasiv, schmerzfrei und ohne bekannte ernste Nebenwirkungen.
Warum Neurofeedback auf dem qEEG aufbaut
Sinnvolles Neurofeedback rät nicht, welches Muster trainiert werden soll, es misst zuerst. Genau hier kommt das qEEG-Brainmapping ins Spiel: Es vergleicht Ihre Hirnaktivität mit einer Normdatenbank und zeigt, wo Muster auffällig sind. Daraus leiten wir ab, welche Region und welche Wellenbereiche ein Training überhaupt anpeilt.
Wie sich dieses „erst messen, dann behandeln“ in einen ganzen Behandlungsweg fügt, zeigt Unser Programm; Neurofeedback ist dort ein Baustein neben weiteren, kein Einzelgerät. Mehr zum qEEG selbst lesen Sie unter „Was ist ein qEEG?“.
Wobei kann Neurofeedback helfen?
Am besten belegt ist Neurofeedback bei ADHS, wo es zur Verbesserung von Aufmerksamkeit und Selbststeuerung beitragen kann. Weitere untersuchte Einsatzgebiete mit wachsender Evidenz sind Angststörungen, PTBS und Trauma sowie Schlaf- und Konzentrationsprobleme.
Die Studienlage ist für ADHS am solidesten und in anderen Bereichen heterogen; Effektstärken und Protokolle variieren. Was wir bieten: ein gemessenes, geduldiges Training, dessen Protokoll wir aus Ihrem qEEG-Profil ableiten und am Verlauf anpassen. Die aktuelle Evidenz finden Sie auf Wissenschaft & Studien, Details auf der Neurofeedback-Behandlungsseite.
Neurofeedback vs. Stimulationsverfahren
Ein wichtiger Unterschied: Neurofeedback ist ein Training, kein Stimulationsverfahren. Verfahren wie rTMS, tDCS oder TPS geben dem Gehirn von außen einen Reiz. Neurofeedback dagegen gibt keinen Reiz ab, sondern spiegelt Ihre eigene Aktivität zurück, damit Ihr Gehirn selbst lernt.
Beides kann sich ergänzen: Stimulation kann ein Fenster für Veränderung öffnen, Training kann das Gelernte festigen. Welche Kombination, wenn überhaupt, für Sie sinnvoll ist, ergibt sich aus Ihrem gemessenen Profil, nicht aus einer Pauschalempfehlung.
Häufige Fragen
Fließt beim Neurofeedback Strom ins Gehirn?
Nein. Die Sensoren lesen nur die Hirnaktivität ab, sie geben nichts ab. Es fließt kein Strom und kein Magnetfeld ins Gehirn; Neurofeedback ist reines Selbstregulations-Training.
Muss ich beim Training etwas aktiv „richtig machen“?
Nein, Sie müssen sich nicht anstrengen. Sie schauen und hören; das Gehirn lernt größtenteils implizit über die Rückmeldung. Genau deshalb braucht es Wiederholung über mehrere Sitzungen.
Wie viele Sitzungen brauche ich?
Das hängt vom Ziel und vom gemessenen Ausgangsbefund ab. Wie bei jedem Training zeigt sich der Effekt über eine Serie von Sitzungen, nicht nach einer einzigen. Einen realistischen Rahmen besprechen wir nach Ihrer Messung.
Ist Neurofeedback dasselbe wie Biofeedback?
Neurofeedback ist eine spezielle Form von Biofeedback, die sich auf die Hirnaktivität (EEG) konzentriert. Klassisches Biofeedback trainiert andere Körpersignale wie Herzrate, Atmung oder Hautleitwert. Beide beruhen auf demselben Rückmeldeprinzip.
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