rTMS bei therapieresistenter Depression
Von therapieresistenter Depression spricht man, wenn zwei leitliniengerechte Behandlungsversuche nicht ausreichend geholfen haben. Was in dieser Liste meist fehlt: eine Behandlung, die am Gehirn selbst ansetzt statt an seiner Chemie. rTMS, und in verdichteter Form die beschleunigte TMS, ist genau das und gehört zu den am besten untersuchten nicht-invasiven Optionen in dieser Situation. Dieser Beitrag erklärt, für wen sie infrage kommt, wie sie abläuft und was die Evidenz zeigt.
Zuletzt aktualisiert: 2026-07-25 · Medizinisch verantwortet von Dr. med. univ. Julian Douwes

Was „therapieresistent" wirklich bedeutet
Der Begriff klingt endgültig, ist es aber nicht. Als therapieresistente Depression gilt üblicherweise eine Depression, die auf mindestens zwei ausreichend dosierte und lange durchgeführte Behandlungsversuche nicht angesprochen hat. Das heißt nicht, dass nichts mehr wirkt, sondern dass der bisherige Weg nicht der richtige war. Oft lohnt es sich, das Problem von einer anderen Seite anzugehen: nicht über einen weiteren Wirkstoff, sondern über die gezielte Modulation der beteiligten Netzwerke.
Warum Netzwerk-Modulation ein anderer Hebel ist
Medikamente wirken systemisch über die Neurochemie. rTMS wirkt lokal und gezielt: Sie moduliert die Aktivität eines definierten Areals, bei Depression meist den linken dorsolateralen präfrontalen Kortex, und darüber die Vernetzung im Netzwerkverbund. Weil der Ansatzpunkt ein anderer ist, kann rTMS auch dann helfen, wenn mehrere Medikamente nicht ausgereicht haben. Genau deshalb messen wir vorher, welches Netzwerk aus dem Takt ist, und behandeln nicht nach Schema.
Klassische rTMS oder beschleunigte TMS?
Zwei Wege stehen zur Verfügung:
- Klassische rTMS, tägliche Sitzungen über mehrere Wochen, das am längsten etablierte Format.
- Beschleunigte TMS (Accelerated/iTBS), mehrere kurze Theta-Burst-Sitzungen pro Tag, komprimiert auf wenige Tage. Für Menschen mit hohem Leidensdruck oder eingeschränkter Zeit kann dieses dichte Format attraktiv sein.
Welcher Weg zu Ihnen passt, hängt vom gemessenen Profil, Ihrer Vorgeschichte und Ihrem Alltag ab. Wir entscheiden das gemeinsam nach der Diagnostik.
Erst messen, dann behandeln
Gerade bei einer bislang unzureichend behandelten Depression lohnt sich ein genauer Blick. In unserem Programm beginnt jede Behandlung mit einem strukturierten Assessment: Anamnese, vorhandene Befunde, Fragebögen, klinische Untersuchung, bei Bedarf Labor und Bildgebung, auch um strukturelle oder andere Ursachen auszuschließen. Ob ein qEEG-Brainmapping dazukommt, entscheiden wir danach. Erst daraus entsteht ein individuelles Behandlungsprogramm. Eine erste Orientierung bietet die Gehirn-Netzwerk-Analyse (keine Diagnose).
Was die Evidenz zeigt, und was nicht
Für rTMS bei Depression, einschließlich therapieresistenter Verläufe, liegen randomisierte Studien und Metaanalysen vor; wir bewerten die Evidenz als solide. Beschleunigte Protokolle sind vielversprechend und werden aktiv erforscht. Reale, verlinkte Studien finden Sie unter Wissenschaft & Studien.
Auch die beste Evidenz beschreibt Durchschnitte; Ihr Verlauf ist individuell. Gerade nach mehreren enttäuschenden Anläufen ist uns wichtig, sorgfältig zu messen, transparent zu behandeln und den Verlauf eng zu kontrollieren.
Häufige Fragen
Ist rTMS eine Option, wenn schon mehrere Antidepressiva versagt haben?
Was ist der Unterschied zwischen rTMS und beschleunigter TMS?
Muss ich meine Medikamente absetzen?
Wie geht es nach der Behandlung weiter?
Wie finde ich heraus, ob rTMS für mich sinnvoll ist?
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