Wie funktioniert TPS?
Sanfte Stoßwellen für das Gehirn
TPS (transkranielle Pulsstimulation) arbeitet mit kurzen, fokussierten Ultraschall-Stoßwellen, die von außen durch den Schädel bis in tiefer gelegene Hirnregionen reichen. Der mechanische Impuls soll dort zelluläre Prozesse anstoßen, die Durchblutung, Zellsignale und Neuroplastizität unterstützen. Was TPS von rTMS und tDCS unterscheidet, ist die Reichweite: Der Impuls kommt auch in Regionen an, die tiefer liegen als das, was Magnetfeld und Gleichstrom erreichen. In Europa ist TPS mit dem Storz Neurolith CE-zertifiziert für die Alzheimer-Demenz; andere Anwendungen erfolgen off-label.
Zuletzt aktualisiert: 2026-07-25 · Medizinisch verantwortet von Dr. med. univ. Julian Douwes

Was ist TPS, und was unterscheidet es von rTMS?
TPS steht für transkranielle Pulsstimulation. Anders als rTMS (Magnetfelder) oder tDCS (Gleichstrom) nutzt TPS mechanische Energie: sehr kurze, gebündelte Ultraschall-Stoßwellen. Ein einzelner Puls dauert nur Mikrosekunden.
Der große Unterschied ist die Reichweite und Fokussierung: Während magnetische und elektrische Verfahren vor allem oberflächennahe Areale erreichen, lässt sich die TPS-Stoßwelle gezielt auf einen Punkt auch in tieferen Regionen richten. Wir setzen dazu das Storz Neurolith ein, ein speziell für die Hirnanwendung entwickeltes Gerät.
Der Wirkmechanismus: Mechanotransduktion
Der Kerngedanke heißt Mechanotransduktion: Zellen können mechanische Reize in biochemische Signale übersetzen. Trifft die kurze Stoßwelle auf das Gewebe, „spüren“ die Zellen den Druckimpuls und reagieren mit einer Kaskade von Prozessen. Diskutiert und in Laborarbeiten beschrieben werden unter anderem:
- Freisetzung von Wachstumsfaktoren wie VEGF und BDNF, die Gefäß- und Nervenwachstum unterstützen;
- Freisetzung von Stickstoffmonoxid (NO), das Gefäße erweitert und die Durchblutung lokal verbessern kann;
- Anstoßen von Signalwegen, die mit Neuroplastizität, der Neuvernetzung von Nervenzellen, in Verbindung stehen.
Vereinfacht: Der mechanische Reiz soll dem Gewebe ein Signal geben, seine eigenen Reparatur- und Anpassungsmechanismen anzuregen, ohne Operation und ohne Medikament.
Wie läuft eine Sitzung ab?
Vor der ersten Sitzung dient in der Regel eine MRT-Aufnahme als Landkarte, damit die Stoßwellen präzise auf die geplanten Zielregionen ausgerichtet werden können. Während der Behandlung wird der Applikator mit etwas Gel an verschiedenen Stellen des Kopfes angesetzt; Sie spüren ein leichtes Klopfen oder Tippen. Eine Sitzung dauert typischerweise etwa 30–45 Minuten.
TPS ist ambulant, ohne Narkose und in der Regel gut verträglich; berichtet werden gelegentlich vorübergehende Kopfschmerzen oder ein leichtes Druckgefühl. Wie bei allen unseren Verfahren steht am Anfang die Diagnostik, und TPS wird als Baustein in ein individuelles Programm eingebettet, nicht isoliert als „ein Gerät“.
CE-zertifiziert für Alzheimer, off-label bei anderem
In Europa ist TPS mit dem Storz Neurolith CE-zertifiziert für die leichte bis mittelschwere Alzheimer-Demenz. Für dieses Anwendungsgebiet ist die Evidenz am solidesten und wächst weiter. Wir wenden TPS auch bei anderen Indikationen an, dann jedoch off-label, also außerhalb der formalen Zulassung.
Warum kann off-label trotzdem sinnvoll sein? Weil dieselben Mechanismen, bessere Durchblutung, Neuroplastizität, bei verschiedenen Beschwerdebildern eine Rolle spielen und weil jede Netzwerk-Dysregulation individuell ist. Genau das macht eine Standardisierung schwer: Es gibt selten „das eine“ Protokoll für alle. Was das rechtlich und praktisch bedeutet, erklären wir ausführlich unter „Off-Label-Behandlung: was das bedeutet“.
Was TPS kann, und was nicht
TPS ist ein ergänzendes, gut verträgliches Verfahren mit einer plausiblen mechanistischen Grundlage und, für die Alzheimer-Demenz, solider werdender Studienlage. Es ist keine Heilung und macht bestehende Nervenschäden nicht rückgängig. Nicht jeder Mensch spricht an; wie stark, zeigt der Verlauf, den wir dokumentieren.
Am relevantesten ist TPS derzeit bei Alzheimer-Demenz und beim leichten kognitiven Abbau (MCI). Die aktuelle Studienlage, nach Evidenzgrad geordnet, finden Sie auf unserer Seite Wissenschaft & Studien, weitere Details auf der TPS-Behandlungsseite.
Häufige Fragen
Ist TPS dasselbe wie Ultraschall beim Arzt?
Es nutzt dieselbe Grundphysik, aber anders. Diagnostischer Ultraschall bildet ab; TPS gibt sehr kurze, gebündelte Stoßwellen ab, um im Gewebe mechanische Reize (Mechanotransduktion) zu setzen. Ziel ist Stimulation, nicht Bildgebung.
Erreichen die Stoßwellen wirklich tiefere Hirnregionen?
Ein Vorteil von TPS ist die Fokussierbarkeit: Die Stoßwelle lässt sich auf einen Punkt richten, der auch tiefer liegen kann als die von rTMS oder tDCS erreichten oberflächennahen Areale. Eine MRT-Landkarte hilft, die Zielregionen präzise anzusteuern.
Ist TPS in Deutschland zugelassen?
In Europa ist TPS mit dem Storz Neurolith für die leichte bis mittelschwere Alzheimer-Demenz CE-zertifiziert. Für andere Indikationen setzen wir es off-label ein, transparent aufgeklärt und in ein Gesamtprogramm eingebettet. Mehr dazu unter Off-Label erklärt.
Tut TPS weh?
In der Regel nicht. Sie spüren ein leichtes Klopfen oder Tippen am Kopf. Die Behandlung erfolgt ambulant und ohne Narkose; gelegentlich werden vorübergehende Kopfschmerzen oder ein leichtes Druckgefühl berichtet.
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